Am 27. April 2026 fand auf Initiative des Jobcenters im Berliner Bezirk Spandau eine Informationsveranstaltung für Lehr- und Fachkräfte aus den Bereichen Pädagogik und Erziehung statt. Eingeladen waren Geflüchtete und Migrant*innen mit russischen und ukrainischen Sprachkenntnissen.
Die Themenwahl war kein Zufall. Man sagt: „Die Kinder sind die Zukunft“, somit scheint der Lehrer*innenberuf krisensicher zu sein, und auch Pädagog*innen werden weiterhin gebraucht. Wie sieht es aber mit der beruflichen Zukunft von Menschen mit Migrationsgeschichte aus, die einen pädagogischen Hochschul- oder Fachschulabschluss und Berufserfahrung in der Schule oder in der frühkindlichen Bildung und Erziehung, etwa in einer Kindertageseinrichtung, mitbringen? Viele Einwanderer*innen verfügen über einen solchen Abschluss. Nach der Ankunft in Deutschland ist ihr Zugang zum Beruf jedoch mit Herausforderungen verbunden: Anerkennung des Abschlusses, Erwerb ausreichender Deutschkenntnisse, ggf. zusätzliche Qualifizierung sowie ein Verständnis des deutschen Bildungssystems sind erforderlich.
Im Rahmen der Veranstaltung des Projekts „Fahrplan Anerkennung beruflicher Abschlüsse Plus II“ (FAbA+ II) im Jobcenter Spandau stand die gezielte Unterstützung dieser Menschen im Fokus. In zwei parallel laufenden, fachspezifisch aufgeteilten Gruppen erläuterten die Beraterinnen detailliert die Anerkennungsverfahren für Lehrkräfte sowie pädagogische Fachkräfte, informierten über erforderliche Unterlagen sowie mögliche Schritte nach Erhalt eines Anerkennungsbescheids.
Die rechtlichen Anforderungen für die genannten Berufsgruppen sind unterschiedlich. Diese wurden in der Gruppe der Lehrkräfte von Anna Kamenskikh vorgestellt. Sie informierte über die Schritte für eine Anerkennung im schulischen Dienst sowie über entsprechende Qualifizierungswege. Parallel dazu beriet Olha Pantofelman Fachkräfte aus den Bereichen Erziehung und Sozialpädagogik über deren spezifische Berufsanforderungen und Zugänge sowie über Nachqualifizierungsmöglichkeiten.
Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt lag auf dem Aufzeigen von beruflichen Alternativen, die zum Beispiel durch eine Qualifizierung im kaufmännischen Bereich möglich wären. Das interaktive Format ermöglichte es den Anwesenden, Fragen zu ihren jeweiligen Werdegängen zu stellen und Rückmeldungen zu ihren Voraussetzungen zu erhalten.
Abgerundet wurde das Programm durch die Beiträge von Julia Deutschmann, Migrationsbeauftragte des Jobcenters Spandau, und Alesja Gordienko, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Die Vertreterinnen des Jobcenters stellten Unterstützungsangebote des Jobcenters vor, darunter die Finanzierung von Anerkennungsverfahren und Weiterbildungen sowie Hinweise zur Suche nach passenden Qualifizierungsmaßnahmen. Zudem klärten sie über die Besonderheiten bei der Förderung von Deutschkursen auf.
Für viele Teilnehmende war es besonders wichtig zu erfahren, dass ein beruflicher Einstieg möglich ist – jedoch eine schrittweise Planung erfordert, unter Berücksichtigung von Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachkenntnissen und den Anforderungen des jeweiligen Berufs. Dies gilt insbesondere für reglementierte Berufe, in denen die Anerkennung der Qualifikation eine zentrale Rolle spielt.
Für das Projekt FAbA+ II war die Veranstaltung eine weitere Möglichkeit, Menschen direkt zu unterstützen, die ihre Qualifikationen und Erfahrungen in Deutschland nutzen möchten. Beratung in verständlicher Sprache, präzise Informationen und ein individueller Ansatz erleichtern den Einstieg in eine qualifikationsgerechte Beschäftigung – insbesondere in so wichtigen und gefragten Bereichen wie Bildung und Pädagogik.
Bereits im vergangenen Jahr wurde auf Initiative des Jobcenters Spandau erfolgreich eine Veranstaltung für Personen mit juristischem Hochschulabschluss durchgeführt. Dieses Format wurde nun fortgeführt und auf die Bereiche Pädagogik und Bildung ausgeweitet. Die Veranstaltung hat erneut gezeigt, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist: Die enge Verzahnung zwischen der fachlichen Beratung des Club Dialog e.V. und der organisatorischen Unterstützung durch das Jobcenter Spandau ermöglichte interessierten ausländischen Fachkräften eine fundierte Orientierung für ihren Einstieg in den Berliner Arbeitsmarkt. Zugleich wurde sichtbar, wie qualifiziertes Personal durch Beratungsstrukturen und Arbeitsverwaltungen effektiv unterstützt werden kann.



