Im August 2026 wird das Willkommenszentrum Berlin zehn Jahre alt. Es ist eine zentrale Beratungsstelle für neue Berlinerinnen und Berliner mit Migrationsgeschichte, wo sie Unterstützung in den Integrationsfragen bekommen können: vom Aufenthaltsrecht bis zur Wohnungs- und Arbeitssuche.

Ab ersten Tag an arbeitet unser Projekt – damals noch FAbA – von Club Dialog e.V. mit dem Willkommenszentrum Berlin zusammen. An Abwechslung mit anderen AQB-Projekten (Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung Berlin) bieten die Mitarbeiterinnen – jetzt vom Projekt FAbA Plus II – dienstags die mobile Beratung im WZ an und führen die Beratungen zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse und Qualifikationen durch.

Das trifft sich gut, denn Dienstag ist im Willkommenszentrum der Beratungstag zum Thema „Bildung und Arbeit“: die unterschiedlichen Beratungsstellen bieten den RS die umfassende Unterstützung im Antwortfinden zur Aus- und Weiterbildung, Anerkennung oder zum Studium in Berlin an.

Zum 10-jährigen Bestehen des Willkommenszentrums Berlin haben wir mit dessen Leiterin Marie-Sophie Deuter gesprochen — über neue Beratungsbedarfe, digitale Plattform und Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Das Willkommenszentrum Berlin gibt es inzwischen seit zehn Jahren. Hat sich was geändert? Was steht heute im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?

„Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen immer unsere Ratsuchenden und ihre Fragen. Es gibt Themen, die über all die Jahre wichtig bleiben: Fragen zum Asylverfahren, Familiennachzug, Bleiberechten und Einbürgerung. Aber auch Angst vor Abschiebung oder die aufenthaltsrechtliche Absicherung für Fachkräfte und Studierende.

Aber es gibt auch Beratungstrends: 2022 suchten uns viele Menschen aus der Ukraine auf – darunter auch Drittstaatsangehörige mit unklarer aufenthaltsrechtlicher Perspektive. Heute haben wir einen angespannten Arbeitsmarkt und viele Fragen zu aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen bei Jobverlust“, sagt Marie-Sophie Deuter.

Im April 2026 wurde das Digitale Willkommenszentrum gestartet — eine mehrsprachige Online-Plattform für Menschen, die neu nach Berlin gekommen sind. Dort finden sie Informationen zu ersten Schritten in Berlin, Wohnen, Bildung, Aufenthaltsrecht, Arbeit und weiteren wichtigen Themen. Aktuell ist die Plattform in fünf Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Russisch; weitere Sprachen sollen folgen.

„Das Digitale Willkommenszentrum ergänzt unsere persönliche Beratung in der Potsdamer Straße – aber sie ersetzt sie nicht! Einfache Fragen lassen sich durch verlässliche, mehrsprachige Informationen auch digital beantworten. Im persönlichen Gespräch können wir uns dann auch die komplizierten Fragen konzentrieren und Menschen in schwierigen Situationen noch besser unterstützen“, erklärt Marie-Sophie Deuter.

Ein Thema, mit dem Menschen ins Willkommenszentrum Berlin kommen, ist die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse. Im Rahmen des Projekts FAbA+II führt Anastasia Sorokina diese Beratungen vor Ort durch. Sie unterstützt die Ratsuchenden dabei, sich bei den ersten Schritten zu orientieren: Warum kann eine Anerkennung wichtig sein? An welche Stelle muss man sich wenden? Welche Unterlagen und Fragen sollte man vorbereiten? Und welche Möglichkeiten eröffnet die bereits vorhandene Ausbildung oder Qualifikation?

Anastazja Sorokina berät auf Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch und Ukrainisch. Für viele Ratsuchende ist das besonders barrierearm und wichtig: Das erste Gespräch über die Anerkennung beginnt oft nicht mit einem fertigen Plan, sondern mit Abbau der Unsicherheit und Klärung der Frage: „Wo fange ich an?“

„Die Anerkennung von internationalen Abschlüssen ist zentral, damit Menschen hier eine gute Arbeit finden. Wer einen Abschluss mitbringt, soll auch in diesem Beruf arbeiten können. Club Dialog berät seit vielen Jahren bei uns im Willkommenszentrum zum Anerkennungsverfahren. Das Angebot ist bei unseren Ratsuchenden sehr gefragt und ein wichtiger Baustein, hier in Berlin gut anzukommen“, sagt Marie-Sophie Deuter.

Berlin gehörte zu den ersten Städten in Deutschland, in denen zentrale Willkommensstrukturen aufgebaut wurden. Inzwischen wird diese Erfahrung auch in anderen Kommunen aufgegriffen: In rund 20 Städten gibt es heute ähnliche Anlaufstellen, die Menschen mit Migrationsgeschichte beim Ankommen, bei der Orientierung und beim Zugang zu Unterstützung begleiten.