Oksana Senenko aus der Ukraine kam im Frühjahr 2022 gemeinsam mit ihren zwei Kindern nach Deutschland. Zunächst ging sie davon aus, dass ihr Aufenthalt nur vorübergehend sein würde und sie bald wieder nach Hause zurückkehren könnte. Die ersten Monate waren daher von Unsicherheit geprägt: Sie musste ihren Kindern helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, Formalitäten erledigen und sich Schritt für Schritt in Deutschland orientieren.

In der Ukraine hatte Oksana ein Hochschulstudium im Bereich Management und Organisation abgeschlossen. Anschließend arbeitete sie mehr als dreizehn Jahre in verschiedenen Tätigkeiten, die mit Organisationsprozessen, Vertrieb und Dokumentationsarbeit verbunden waren. Zu Beginn war sie in einer staatlichen Kontroll- und Prüfbehörde tätig. Später arbeitete sie in der Tourismusbranche sowie im Vertrieb und in der Automobilbranche. Dort war sie unter anderem für Einkauf, Analysen und die Koordination von Teamprozessen verantwortlich.

Mit der Zeit wurde klar, dass sie auch ihre berufliche Zukunft in Deutschland planen musste. Oksana begann intensiv Deutsch zu lernen und absolvierte Integrationskurse bis zum Niveau B1. In dieser Phase nahm sie an einer Informationsveranstaltung des Projekts FAbA+ teil und erfuhr dort erstmals, welche Möglichkeiten es gibt einen ausländischen Hochschulabschluss in Deutschland bewerten zu lassen.

In einer Beratung wurde ihr detailliert erklärt, wie das Verfahren zur Bewertung eines ausländischen Hochschulabschlusses über die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) funktioniert, welche Unterlagen erforderlich sind und wo es finanzielle Unterstützung für diesen Prozess geben kann. Mit dieser Information und der Unterstützung des Jobcenters konnte Oksana den Antrag auf Bewertung ihres Diploms stellen. Bis zum Ergebnis vergingen etwa acht Monate.

Nach der erfolgreichen Bewertung ihres Abschlusses suchte Oksana weiter nach Möglichkeiten, Berufserfahrung in Deutschland zu sammeln. Sie absolvierte eine Weiterbildung und ein Praktikum und begann anschließend einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in einem sozialen Projekt in Berlin. Dort unterstützt sie heute die Organisation von Veranstaltungen, bereitet Informationsmaterialien vor und hilft bei der Projektkommunikation.

„Für mich war es wichtig zu verstehen, wie das System hier funktioniert. Die Bewertung meines Diploms hat mir das Gefühl gegeben, dass meine Ausbildung auch in Deutschland anerkannt wird und einen Wert hat“, sagt Oksana.

Derzeit arbeitet sie weiter an ihren Deutschkenntnissen und plant, künftig eine Tätigkeit im administrativen oder organisatorischen Bereich zu finden. Die Erfahrung im Bundesfreiwilligendienst hilft ihr, die Arbeitswelt in Deutschland besser kennenzulernen und ihre beruflichen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.

Ihre Geschichte zeigt, dass die Bewertung eines im Ausland erworbenen Hochschulabschlusses ein wichtiger Schritt sein kann, um den eigenen beruflichen Weg in Deutschland fortzusetzen und neue Perspektiven zu entwickeln.