Wir führen das Interview mit dem Geschäftsmann Serhii Shponarskyi zwischen zwei seiner Termine. Serhii ist Partner bei mehreren Bauunternehmen, und sein Tagesablauf ist buchstäblich minutengenau durchgeplant. Er kam vor etwas mehr als zehn Jahren nach Deutschland und schaffte es nicht nur, in seinem Beruf Fuß zu fassen, sondern sein Unternehmen auch auf eine neue Ebene zu heben.
Serhii Shponarskyi ist gelernter Bauingenieur; auch in der Ukraine war er im Baugewerbe unternehmerisch tätig.
„Unsere Baufirma realisierte Großbauprojekte, darunter auch Getreidesilos. Nach 2014 kamen einige große Projekte zum Stillstand, und wir mussten uns überlegen, wie es weitergehen sollte“, erzählt Serhii.
Er begann, sich nach Möglichkeiten im Ausland umzusehen, und kam zunächst für nur drei Monate nach Deutschland – um das Land kennenzulernen und zu erkunden, welche Perspektiven sich hier boten. Letztendlich blieb er und erwarb bereits 2016 ein Unternehmen. Es gelang ihm, seine berufliche Laufbahn in seiner Branche auch in Deutschland fortzusetzen.
Heute ist Serhii der Mitinhaber und Partner bei mehreren Bauunternehmen. Die Tätigkeitsfelder liegen im Bau, vor allem von Zahnarztpraxen und Hotels, in der Modernisierung von Wohnobjekten sowie in den Bereichen Haustechnik und Elektroinstallation.
Über die Anerkennung seiner Ausbildung hatte Serhii bereits vor einigen Jahren nachgedacht. Damals besuchte er eine Gruppenberatung des Projekts FAbA Plus, in der das allgemeine Anerkennungsverfahren erläutert wurde – doch dann stellte er das Vorhaben erst einmal zurück.
„Für jemanden, der ein Unternehmen führt, ist das Anerkennungsverfahren nicht zwingend erforderlich. Entscheidend sind die Fähigkeiten und Kompetenzen“, betont Serhii. „Allerdings“, fährt er fort, „spiele ich derzeit mit dem Gedanken, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, und möchte, dass auch meine ausländische Ausbildung offiziell anerkannt wird.“
Deshalb wandte sich Serhii erneut an das Projekt FAbA Plus II des Vereins Club Dialog e.V. in Berlin mit der Bitte um ein persönliches Beratungsgespräch – ein Anliegen, das für ihn angesichts seines straffen Terminkalenders besonders wichtig war.
„Ich schrieb eine Mail und fragte, ob ich persönlich vorbeikommen und Unterstützung bei der Vorbereitung der Anerkennung erhalten könnte. Ich erkundigte mich sogar nach den Kosten für einen solchen Service, denn mir ist klar, dass so etwas Geld kostet. Die Antwort lautete: Die Beratungen im Rahmen des Programms IQ – Integration durch Qualifizierung – sind kostenlos.“
„Wir haben einen Termin zwischen meinen anderen Verpflichtungen vereinbart; ich bin hingegangen, man hat mir alles erklärt und bei der Vorbereitung geholfen, und der Antrag wurde zur Anerkennung eingereicht“, erzählt Serhii.
Als Arbeitgeber weiß Serhii genau, wie wichtig eine solche Unterstützung für Fachkräfte mit ausländischer Ausbildung ist. Eine anerkannte Qualifikation eröffnet bessere Möglichkeiten, das eigene Wissen und die Erfahrung auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzubringen, sich auf der Ausbildung entsprechende Stellen zu bewerben und sich beruflich weiterzuentwickeln. Für Serhii selbst war die Anerkennung seines Diploms zudem ein weiterer Schritt auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft.
